Die Ohrakupunktur

 

Die Ohrakupunktur stellt ein eigenes, von der Körperakupunktur unabhängiges System der Akupunktur dar. Die Reflexpunkte des Ohres spiegeln den gesamten Körper des Menschen wider.

© by Matthias Eubel

 

Inhalt:
- Allgemeines
- Geschichte
- Diagnostik
- Therapie
- Methodik
- Indikationen und Kontraindikationen
- Punkteanordnung

 

Allgemeines
Die Ohrakupunktur ist ein besonderes Kapitel innerhalb der Akupunktur, da sie ein eigenständiges, geschlossenes System ist und unabhängig von der Körperakupunktur durchgeführt werden kann.
Innerhalb des Ohres befinden sich über 100 Ohrreflexpunkte, die mit Organen (Funktionskreisen), Körperabschnitten oder speziellen Körperfunktionen über einen neuralen Reflex (wechselseitige Verbindung durch Nervenbahnen) in Verbindung stehen, d.h. diese Punkte lassen sich sowohl diagnostisch als auch therapeutisch nutzen.

 

Geschichte
Die Ohrakupunktur ist ein Element der Traditionellen Chinesischen Medizin und in China schon sehr lange bekannt.
Erste Hinweise in der chinesischen Literatur finden sich im „Huang Di Nei Jing“ (Klassiker des gelben Kaisers zur Inneren Medizin), ca 3000 v.u.Z.
Somit ist auch dieser Aspekt der Chinesischen Medizin das Ergebnis einer jahrtausendelangen Entwicklung und Erfahrung.
Auch in Persien, Ägypten und dem alten Griechenland ist das Ohrreflexsystem schon seit weit über 1000 Jahren bekannt und wurde therapeutisch genutzt.
Der Franzose Paul Nogier verband in den 50er Jahren altes chinesisches Wissen mit überlieferten nahöstlichen und afrikanischen Erfahrungen der Ohrreflexbehandlung. Er integrierte schulmedizinische Erkenntnisse, z.B. über das Hormonsystem in das Reflexsystem des Ohres, systematisierte das ganze Wissen und entwickelte eine neue Topographie der Ohrreflexpunkte (die folglich von der klassischen chinesischen etwas abweicht).
Diese neue Entwicklung der Ohrreflextherapie wird nach Paul Nogier Auriculotherapie genannt.
In der Praxis finden sowohl das traditionelle chinesische Modell als auch das Modell Nogiers Anwendung, je nach Konzept und Erfahrung des Behandlers.

 

Diagnostik
Liegen Beschwerden oder Erkrankungen in einem Organ / Körperabschnitt vor, so wird sich der entsprechende Ohrreflexpunkt als besonders druckschmerzhaft erweisen, evtl sogar sichtbar verändern.
Auf diese Weise ist es möglich durch Betasten des Ohres mittels einer speziellen Tastsonde, das Ohr als diagnostisches Mittel heranzuziehen (siehe Akupunkturmassage).
Auch in der Diagnostik entwickelte Nogier eine weitere Methode, indem er die Veränderung des Radialpulses (Handgelenkspuls) während der Tastung empfindlicher Ohrreflexpunkte beobachtete.

 


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Topographie der wichtigsten Ohrreflexpunkte


 

Therapie
Durch Nadelung der Ohrreflexpunkte läßt sich ein therapeutischer Reiz auf das korrespondierende Organ / Körpergebiet ausüben.
In der Regel werden bei der Ohrakupunktur 1 bis 6 Nadeln gestochen, es werden sehr dünne und kurze Nadeln verwendet, die Verweildauer beträgt zwischen 20 und 40 Minuten.
Um den therapeutischen Reiz bei chronischen Beschwerden zeitlich zu verlängern kommen bei dieser Behandlungsmethode auch Dauernadeln zum Einsatz.
Etwa 2 mm lange Nadeln werden, evtl. mit einem kleinen Pflaster fixiert, für 2 bis 5 Tage im Ohr gelassen und vom Patienten selber durch drücken oder bewegen regelmäßig stimuliert.
Zur Dauerbehandlung werden auch Sandkornpflaster eingesetzt, dies sind Pflaster mit kleinen Körnern, die den Ohrreflexpunkt akupressieren; der Effekt ist etwas schwächer als bei der Akupunktur.

 

Methodik
Die Anwendung der Ohrakupunktur ist relativ leicht, da die Ohrreflexpunkte nach ihren Indikationen benannt sind, z.B.: „Leberpunkt“ ,„Blutdruckregulierender Punkt“, „Ischiaszone“ usw.
Somit ergeben sich die zu nadelnden Punkte aus der Indikation und / oder aus der Tastung auf Druckschmerzhaftigkeit.
Eine chinesische Diagnose unter Berücksichtigung der 5 Wandlungsphasen, der 8 Leitkriterien usw. spielt für die Ohrakupunktur keine Rolle.
Natürlich gibt es wie auch bei der Körperakupunktur für viele Beschwerden bewährte Punktkombinationen.

 

Indikationen und Kontraindikationen
Die Ohrakupunktur kann bei fast allen Erkrankungen unterstützend eingesetzt werden.
Besondere Stärken der Ohrakupunktur sind alle akuten Erkrankungen, insbesondere diejenigen des Bewegungsapparates (z.B. Lumboischialgie, akute Nerven- und Gelenksschmerzen) sowie die unterstützende Behandlung von Suchterkrankungen.
Kontraindikationen sind Notfälle, Entzündungen oder Verletzungen des Ohres und außergewöhnlich starke Druckempfindlichkeit der Reflexpunkte.
Vorsicht ist geboten bei schweren Infektionserkrankungen, unklaren Schmerzzuständen, einigen starken Medikamenten sowie nach Fastenkuren.

 

Punkteanordnung
Auffallend ist die Lage der Akupunkturpunkte im Ohr.
Projiziert man das Bild eines Embryos in zusammengekauerter Stellung, den Kopf abwärts gerichtet in das Ohr, so findet man eine Übereinstimmung der Ohrreflexpunkte mit den Organen und Körperabschnitten des Embryos.
Diese Anordnung mag zunächst erstaunen, findet sich aber in anderen Reflexzonensystemen, z. B. dem Fußreflexzonensystem oder der Iris in etwas abstrakterer Weise auch wieder.

 

 

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Projektion der menschlichen Anatomie auf das Ohr

 


Naturheilpraxis Matthias Eubel

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